Jugendparlament Waldkraiburg
Die Themenvorgabe ist überschaubar und allübergreifend gleichzeitig :):
"Hallo liebe FDP, wir bitten euch für folgende Themen vorzubereiten:
Wohnen, Arbeit, ÖPNV, Jugendarbeit im LKR sowie unsere Freizeitangebote für Junge Menschen
VG von JuPa Waldkraiburg"
Ich habe mal ein paar Gedanken dazu gesammelt.
Wenn junge Menschen im Landkreis Mühldorf über Wohnen, Arbeit, ÖPNV, Jugendarbeit und Freizeit sprechen, geht es nicht um politische Theorie. Es geht um Alltag:
- „Kann ich hier wohnen, ohne finanziell zu ersticken?“
- „Komme ich abends ohne Auto heim?“
- „Gibt es Angebote – oder nur Zuständigkeiten?“
Als Kreisrat bin ich nicht dafür da, dem Landrat und der Verwaltung reflexhaft Applaus zu spenden. Ich will konstruktiv Lösungen anregen – aber ich will auch kritisch nachfragen, wenn Dinge zu langsam, zu bürokratisch oder zu ambitionslos laufen. Ich will hier aber auch noch mal klarstellen, dass ich mit unserem Landrat im großen und ganzen recht zufrieden bin: er hört zu, vermittelt, erklärt und handelt. Ihm die richtigen Impulse und Anregungen zu geben, das halte ich für meine Aufgabe.
Und ja: Zuständigkeiten sind verteilt. Aber Zuständigkeit ist kein Ausreden-Schild. Sie ist der Startpunkt für Verantwortung - und das gilt für mich übrigens auch für jeden Bürger, nicht nur für "Politiker"! Für mich ist der Landkreis und seine Organe in erster Linie Gesprächsermöglicher, Kommunikator und Vermittler.
Ans Eingemachte :)
Wohnen
Pflichtaufgaben des Landkreises
Über das Landratsamt laufen zentrale Aufgaben im Bau- und Genehmigungsumfeld (Bauaufsicht/Verfahren – je nach Fall) und Verwaltungsleistungen rund um Wohnraumförderung. Das klingt technisch, ist aber für junge Leute knallhart: Zeit ist Geld. Jede Verzögerung verteuert Wohnen.
Wo der Landkreis echte Hebel hat
a) Tempo und Transparenz in Verfahren
Wer gebaut oder saniert hat, weiß: Nicht alles ist „böse Bürokratie“, manches ist wichtig. Aber ehrlich: Zu oft ist es auch Ablauf- und Prioritätenfrage.
Meine Erwartung an Landrat und Verwaltung ist klar: Serviceziele, Transparenz und Prozessmodernisierung. Nicht als PowerPoint, sondern messbar: Wie lange dauert was? Wo hängen Fälle? Was wird geändert?
b) Kreiswohnbau: Beteiligung heißt Verantwortung – nicht nur Sitzfleisch
Der Landkreis hält 17,7 % an der Kreis- und Wohnungsbaugesellschaft mbH Mühldorf a. Inn. Und da sage ich offen: Nach außen wirkt das häufig zu leise, zu langsam, zu wenig ambitioniert.
Natürlich kann man mit der Beteiligung nicht "durchregieren" - aber – nicht als Polemik, sondern als Diagnose: zu wenig sichtbarer Drive, zu wenig skalierte Wirkung. Das äußert sich auch in den Beteiligungsberichten: hier sind säuberlich alle finanziellen Kennzahlen aufgeführt, die wesentlichen gehen unter: wie viele Wohnungen wurden geschaffen? Wie viele davon sozial vergeben? Werden die richtigen Wochnungen gebaut (Studenten, junge Paare, Familien, Rentner ...)? Was ist konkret geplant? Wird der Bedarf laufend erhoben? Kann man Partner finden, die auch ein Interesse an Wohnraum haben (große Arbeitgeber, Universitäten, Klinikum ...)
Dabei ist die Idee richtig: Wenn wir als Landkreis beteiligt sind, können wir gezielt Wohnraum für Gruppen schaffen, die unseren Landkreis am Laufen halten – Azubis, Berufseinsteiger, Pflegekräfte, Polizei, Erzieherinnen, also Leistungsträger, die nicht unbedingt reich sind, aber essenziell.
Meine konstruktive Forderung:
Wenn wir schon beteiligt sind, will ich Ziele, Zeitplan, Öffentlichkeit:
- laufender Projekt- und Fortschrittsbericht (was, wo, wie viele Wohnungen, wann),
- klare Zielgruppenstrategie (Starter/Azubi/Schlüsselkräfte),
- aktive Grundstücks-/Objektstrategie (kaufen, umnutzen, nachverdichten),
- mehr Kooperation mit Gemeinden und Unternehmen - statt „jeder macht seins“.
Wo auch andere anpacken müssen (und der Landkreis Gespächsermöglicher sein muss)
- Baugebiete/Bebauungspläne: vor allem Gemeinden.
- Mietrecht/Steuerrecht: überwiegend Bund, Förderlogiken stark Land.
Arbeit
Pflichtaufgabe des Landkreises?
Direkte Lohnpolitik macht der Landkreis nicht. Aber über soziale, bildungsnahe Strukturen und Schnittstellen ist er relevant – und vor allem über etwas, das viele unterschätzen: Verwaltung als Standortfaktor.
Wo der Landkreis Hebel hat
a) Übergänge organisieren
Schule → Ausbildung → Betrieb ist im Landkreis keine Theorie. Das ist Matching, Beratung, Netzwerke, Praktika. Das ist nicht glamourös – aber wirksam, wenn man es ernst meint.
b) Verwaltungstempo ist Wirtschaftspolitik
Wenn Betriebe investieren wollen, brauchen sie keine Sonntagsrede, sondern:
Wer ist zuständig? Was brauche ich? Bis wann bekomme ich eine Rückmeldung?
Wenn das nicht klappt, ist das kein Naturgesetz. Es ist Führungs- und Prozessqualität.
Meine Kritik (konstruktiv):
Wir reden zu oft über „Standortmarketing“ und zu selten über den Alltag: Bearbeitungszeiten, Zuständigkeitswirrwarr, digitale Anträge. Hier muss der Landkreis besser werden.
Wo ihr hin müsst
- Bund: Steuern/Abgaben, Arbeitsrecht.
- Land: Bildungssystem.
- Landkreis: Prozessqualität, Wirtschaftsförderung, Übergänge.
ÖPNV
Pflichtaufgabe des Landkreises
Beim Bus-ÖPNV hat der Landkreis echte Verantwortung: Linien, Bestellung, Finanzierung/Ausschreibung – kurz: ob ein Angebot existiert, das zum Alltag passt. Allerdings muss klar sein: das ist ein Zuschussgeschäft. So lange die Rahmenbedingungen sich nicht substanziell bessern, kann nur das nötigste getan werden. Denn: substanzielle Besserung ist hier eigentlich erst in Sicht, wenn On-Demand-Verkehr, autonomes Fahren und die Vernetzung mit privaten Verkehrsmitteln für den Breiteneinsatz "reif" sind.
Was im Landkreis Mühldorf aktuell wichtig ist
** MVV-Beitritt seit 01.01.2026**
Der Landkreis ist seit 1. Januar 2026 Teil des MVV. Das ist ein Systemwechsel: Tarife, Auskunft, Integration werden einfacher. Das ist gut.
Wo ich kritisch werde
MVV ist die Infrastruktur – aber jetzt kommt der Teil, der weh tut: Angebot kostet.
Und genau da darf man nicht zufrieden sein mit „wir sind jetzt im MVV“. Wenn abends und am Wochenende weiterhin wenig geht, bleibt das Problem für junge Menschen dasselbe – nur mit schönerem Logo im Fahrplan. Denn es besteht schon die Gefahr, dass der vom Ballungsraum München geprägte MVV den ländlichen Raum auch bei bester Absicht nicht ... störungsfrei versteht.
Meine konstruktive Forderung:
- konsequenter Ausbau von On-Demand, wo Linienverkehr ineffizient ist,
- Qualitätssteuerung: Anschlussquote, Wartezeiten, Zuverlässigkeit - aber auch Auslastungen messbar machen.
Jugendarbeit
Pflichtaufgabe des Landkreises
Jugendhilfe/Jugendamt-Strukturen sind keine Kür. Das ist Pflicht – und ein gesellschaftlicher Stabilitätsanker.
Wo der Landkreis gestalten kann
- Förderung, Koordination, mobile Angebote,
- verlässliche Kooperation mit Trägern,
- echte Beteiligung (Jugendgremien, Jugendbudget, Projektfonds).
Wo ich kritisch werde
Jugend wird politisch oft wie ein „nice-to-have“ behandelt, das man kürzt, wenn’s eng wird. Das ist kurzsichtig. Wer will, dass junge Menschen bleiben, muss Jugend als Standortfaktor begreifen – nicht als Randnotiz.
Meine konstruktive Forderung:
Weniger Förderdschungel, mehr Wirkung: Mikroförderung, schnelle Zusagen, klare Ansprechpartner – und Jugendliche entscheiden wirklich mit.
Fazit: Zuständigkeit ist der Anfang – nicht das Ende
Ich werde weiter klar sagen, was wo entschieden wird:
- Gemeinde: Baugebiete, konkrete Orte (Skatepark, Jugendtreff), lokale Projekte.
- Landkreis: ÖPNV-Strukturen, Jugendhilfe-Netz, Förderung, Koordination – und Verwaltungstempo.
- Land/Bund: große Rahmenregeln (Mietrecht, Steuern, Bildung, Schiene).
Aber ich werde ebenso klar sagen: Der Landkreis kann sich nicht hinter Zuständigkeiten verstecken.
Wenn Verfahren zu langsam sind, wenn die Kreiswohnbau zu wenig sichtbar liefert, wenn MVV nur als Etikett genutzt wird, wenn Jugendprojekte in Papier versinken – dann ist das politisch gestaltbar. Und dann ist es meine Aufgabe als Kreisrat, beim Landrat und in der Verwaltung dranzubleiben.